FMEA Praxis

Warum eine FMEA das Risiko oftmals nicht verringert und wie das verhindert werden sollte

Häufige Praxis:

  • FMEA-Meeting eröffnet.
  • FMEA vom Moderator geöffnet.
  • Vermeidungs- und Entdeckungsmaßnahmen wurden kurz diskutiert und definiert.
  • Action Priority ergibt sich.
  • FMEA wird gespeichert.
  • FMEA abgeschlossen.
  • Fazit: Das Risiko bleibt jedoch unverändert.

Warum? Hier die unangenehme Realität:

In vielen Unternehmen wird die FMEA mehr oder weniger als Dokumentation behandelt … Nicht als Entscheidungsvorlage!

  • FMEA ist dann nur eine Compliance-Rechtfertigung
  • Copy/Paste aus vorherigen oder ähnlichen Produktvarianten oder Prozessen
  • Bewertungsdebatte statt Design-bzw. Prozessdebatte
  • „Bewertungs-Reduktions-Ritual“ vor dem Quality-Gate

Die Illusion
Eine hohe Aufgabenpriorität bedeutet Aufwand und Kosten.

Die Wahrheit
Wenn sich das Design nicht ändert, ändert sich auch das Risiko nicht.

Sehr oft scheitert die FMEA weil:

1️⃣ Fehler werden generisch ohne konkrete Aussage formuliert

2️⃣ Annahmen werden nicht mit Daten validiert

3️⃣ Entdeckungsmaßnahmen sind überschätzt

4️⃣ Maßnahmen sind aufgeführt, aber strukturell nicht umgesetzt

Und der größte Fehler?

Das  FMEA-Team passt Validierungen an, um sich wohlzufühlen … anstatt Änderungen im Design oder Prozess vorzunehmen, um Risiken zu reduzieren bzw. zu eliminieren.

Eine echte FMEA sollte jedoch Fragen auslösen:

  • Können wir eine Fehlermöglichkeit vollständig beseitigen oder reduzieren?
  • Können wir die Fehlerschwere durch Designänderungen reduzieren?
  • Verlassen wir uns zu sehr auf die Fehlerentdeckung?
  • Welche wirtschaftlichen Kosten entstehen, wenn der Fehler im Feld auftritt?

Wenn eine FMEA lediglich eine optimierte Aufgabenpriorität ist, dann wurden nur Dokumente optimiert.

Wenn das Ergebnis jedoch ein modifiziertes Design oder optimierter Prozess ist, dann wurde das Risiko reduziert. Dan haben wir eine FMEA.

Moderatoren erleben die eingangs beschriebene Vorgehensweise nur zu oft und weisen (oft leider vergeblich) darauf hin, das die FMEA keinen Erkenntnisgewinn bringt. „Wir machen die FMEA doch eh nur für den Kunden!“

Die Frage lautet daher:

  • Wird eine Vorlage ausgefüllt?
  • Oder soll die Qualität des Produkts/Prozesses verbessert werden?

Kein deutscher Sonderweg: Ende des nationalen LkSG gefordert

Im Jahr 2026 wächst der Druck aus der deutschen Wirtschaft, das nationale Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) zu beenden. Angesichts der anstehenden Umsetzung der EU-Lieferkettenricht- linie (CSDDD) in nationales Recht fordern 17 Wirtschafts- verbände, darunter der ZVEI, ein Ende des deutschen „Sonderwegs“, um bürokratische Mehrbelastungen und Wettbewerbsnachteile zu vermeiden. 

Hier sind die aktuellen Entwicklungen und Hintergründe:

  • Forderung nach Abschaffung: Wirtschaftsverbände argumentieren, dass das deutsche LkSG über die EU-Vorgaben hinausgeht und deutsche Unternehmen stärker belastet als ihre europäischen Konkurrenten. Sie fordern ein Ende des nationalen Alleingangs.
  • Politischer Widerstand: Sowohl die CDU/CSU- als auch die FDP-Fraktion im Bundestag haben sich für die Aufhebung des nationalen Gesetzes ausgesprochen.
  • Auswirkungen der EU-Richtlinie: Die EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD), die bis 2026 (bzw. stufenweise bis 2028) umgesetzt werden muss, sieht andere Schwellenwerte vor als das deutsche LkSG. Kritiker des nationalen Gesetzes befürchten eine Doppelstruktur.
  • Reaktion der Bundesregierung: Die Regierung hat Erleichterungen angedeutet, jedoch wurde ein früherer Antrag der Opposition auf Abschaffung des Gesetzes abgelehnt. Derzeit wird eine Änderung des LkSG diskutiert, um es an die EU-Vorgaben anzupassen, was zu einer Entlastung für viele Unternehmen führen könnte.
  • Kritik an der Abschaffung: Umweltschutzorganisationen und Gewerkschaften verteidigen das Gesetz, da sie bei einer reinen Umsetzung der EU-Richtlinie eine Schwächung der Standards für Umwelt- und Menschenrechte befürchten. 

Das LkSG, welches seit 2023 in Kraft ist und Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern in Deutschland verpflichtet, menschenrechtliche Standards in ihren Lieferketten zu sichern, steht somit vor einer grundlegenden Überarbeitung.